Ursprüngliches wächst, kleine zarte Wurzeltriebe. Sie breiten sich aus,
werden kräftig. Sie graben sich tiefe Gänge unter dem Erdreich, um
festen Halt zu erlangen. Viele Jahre treiben sie dieses Spiel,
unermüdlich arbeiten sie und so manches Hindernis, was sich ihnen in den
Weg stellt, lässt sie an den Rand der Verzweiflung stoßen. Neue kleine
Wurzeln bilden sich an den Stellen, an denen die Hindernisse zu heftig
sind. Und auch sie bahnen sich ihren Weg. Sie wachsen, finden Nahrung in
manchmal kargem Boden. Geben nie auf bis sie eines Tages einen
fruchtbaren, honigsüßen Erdhügel erreichen. Es schmeckt so ganz anders
als das, was sie bisher zu sich genommen haben. „Ist das die Süße des
Lebens?“, fragen sie erstaunt. Der Erdhügel gibt jedoch keine Antwort
und so knabbern und sabbern sich die Wurzeln mit allem Süßkram voll, bis
sie schlaff herabhängen. „Oh, nein“, sagt ihnen eine Stimme, die von
sehr weit weg zu ihnen zu sprechen beginnt. „Das ist nicht der rechte
Weg“. Ihr seid teigig geworden und könnt euch nicht mehr bewegen, um
eure Reise fortzusetzen. Los, erhebt euch! Verweilt nicht an diesem
verführerischen Ort, es wird euch verderben. Ihr werdet faulig und müsst
sterben.“ Diese Stimme hat Recht, pflichten sie alle bei. Und die
Wurzeln schaffen es mit Müh aufzustehen und begeben sich erneut auf
Wanderschaft. Sie durchstreifen tiefe Erdschichten, trinken frisches
Quellwasser und fühlen sich immer lebendiger. Doch etwas fehlt ihnen wie
sie eines Tages betrübt bemerken. Es muss noch etwas anderes geben als
endlose Erden zu durchstreifen. Bisher haben sie sich nur nach vorn,
nach links oder rechts begeben, aber niemals jedoch nach oben. Sie haben
Angst, denn sie wissen nicht, was sie dort erwarten könnte. Irgendetwas
ließ sie jedoch die Angst ein wenig beiseite schieben, um der heftig
plagenden Neugier Platz zu machen. Sie wagen diesen Sprung … und landen
mitten auf einer Frühlingswiese. Keiner sagt ein einziges Wort. Sie sind
von der Schönheit und Sanftheit, die sie bisher niemals zuvor gesehen
haben, geblendet. Ein helles wärmendes Licht blitzt durch sie hindurch
und sie glauben sich in einer anderen Welt. Oh ja, das sind sie auch!
Sie recken und strecken sich, tasten und riechen, hören und sehen. UND
SIND UNENDLICH GLÜCKLICH! „Wo sind wir?“, rufen sie nun alle
durcheinander, als sie sich langsam aus dem Rausch der Sinne befreien.
Und wieder spricht die Stimme zu ihnen: „Ihr seid im Land der LIEBE.“
„Oh“, lassen sie ein Raunen von sich.„ABER WAS IST LIEBE?“